Die von 1614 bis 1616 erbaute Schlosskirche in Beilstein war wegen einer grundlegenden Sanierung des Satteldaches von März bis Dezember 2006 geschlossen. Die Sanierung des Turms wurde in 2005 vorgenommen... Bildergalerie
Grund zur Freude: Unser Kirchendach ist abbezahlt !
Was lange währt, wird endlich gut: Die 80.000 € Gemeindeanteil für die Sanierung des Kirchendachs der Beilsteiner Schlosskirche sind abbezahlt!
Dadurch, dass wir zwei unserer Wiesen verkauft haben und 20 % des Verkaufserlöses für das Kirchendach verwenden durften, sowie durch den „Dachsaft“-Erlös in Höhe von 2.099 € haben wir jetzt 80.364 € zusammen, so dass wir sogar noch 364 € des Dachsaft-Erlöses anderweitig nutzen können.
Allen, die in den vergangenen fünf Jahren so großzügig und engagiert für unser Kirchendach gespendet, gebastelt, gebacken oder Dachsaft hergestellt haben, sagen wir dafür an dieser Stelle noch mal ein ganz herzliches Dankeschön!!! Denn ohne diese großzügige und tatkräftige Hilfe vieler Gemeindeglieder (und auch darüber hinaus) wäre eine Abbezahlung unseres Kirchendachs in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen!
Spenden-Stand am 23.03.2009: 80.364,00 €
Spendenkonto
Nr.: 48371, bei: Sparkasse Dillenburg, BLZ: 516 500 45 - Stichwort: „Dachsanierung“
Wir danken Ihnen für Ihre Spenden und Ihre Unterstützung bei unseren Projekten zugunsten unseres Kirchendaches!
Die Kosten:
700.000,00 € für die gesamte Dachsanierung davon 180.000,00 € für die Sanierung des Turms.
120.000,00 € werden von der Denkmalpflege beigesteuert
520.000,00 € gibt die Großprojektförderung der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN)
80.000,00 € wird die Ev. Kirchengemeinde Beilstein-Rodenroth selbst investieren.
Die Ev. Kirchengemeinde Beilstein-Rodenroth hat viele Gottesdienste außerhalb der Kirche feiern müssen. Die ortsansässigen Vereine und die Gemeinde Greifenstein haben die Kirchenvorsteher sehr unterstützt. So feierte die Kirchengemeinde seine Gottesdienste im Rahmen der "Spatzenkirmes" an der Vogelschutzhütte Beilstein, auf dem historischen Woll- und Krammarkt Beilstein, beim Teichfest des Angelsportvereins, in den Dorfgemeinschaftshäusern und im Martin-Luther-Hause. Am 2. Adventssonntag 2006 war es endlich so weit: Ab jetzt kann die Kirchengemeinde endlich wieder ihre fertig renovierte Schlosskirche benutzen! Die Wiedereinweihung feierte am 10. Dezember 2006 die Gemeinde im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Beilsteiner Schlosskirche!
Die Sanierung des Kirchendaches war unumgänglich. Es hatten sich die 50 x 50 cm dicken Eichenbalken des Dachstuhls um bis zu drei Zentimetern nach außen geschoben. Die Balkenauflagen auf den Außenmauern waren teilweise durchgefault, der Dachstuhl drohte abzurutschen - Folgen eines Fehlers aus dem Jahr 1950 als bei damaligen Arbeiten Dachdecker Bauschutt, Holz- und Strohreste in die Hohlräume auf der Mauerkrone entsorgt hatten. Die aber hätten zur Durchlüftung frei und leer bleiben müssen. Mehr als 32 Kubikmeter Schutt und Geröll holten Helfer aus den Hohlräumen.
Bericht vom 2. September 2006
Ortsbeiräte Beilstein Rodenroth besichtigen die Beilsteiner Schlosskirche
Greifenstein Beilstein. Mitglieder der Ortsbeiräte von Beilstein und Rodenroth informierten sich am
2. September 2006 vor Ort über die Fortschritte der Renovierung der Beilsteiner Schlosskirche. Uwe Schnackenwinkel vom Kirchenvorstand zeigte als sachkundiger Führer, was in den letzten Monaten alles erneuert wurde und wo die Schwierigkeiten liegen. Die Renovierung eines fast 390 Jahre alten Bauwerkes bringt ständig Überraschungen mit sich und gewöhnlich keine guten. So stellte sich bei der Aufnahme des Speicherfußbodens heraus, dass nicht nur die großen Querbalken über der Empore teilweise von der Außenmauer bis zu den Stützpfeilern morsch waren, sondern dass auch die Tragbalken, die den Fußboden in Längsrichtung tragen, an ihren Auflagen teilweise völlig verfault waren und Teile der Decke auf die Orgel zu fallen drohten, auch diese Balken müssen jetzt teilweise ausgetauscht werden und die Decke mit einer Stroh-Lehm-Füllung und Lehmputz repariert werden. Diese Arbeiten verzögern den Abschluss der Renovierung um etwa vier Wochen und treiben die Kosten um mindestens zwanzigtausend Euro in die Höhe. Das ist für die evangelische Kirchengemeinde Beilstein-Rodenroth, die hoffte, im Herbst ihre Kirche wieder nutzen zu können, eine sehr unerfreuliche Nachricht. Auch das Spendenaufkommen hat seit dem Markt im Juli kaum noch zugenommen, obwohl die Kosten unerwartet gestiegen sind. Angesichts der neu entdeckten Schäden ist die Kirchengemeinde auf jede Spende angewiesen.
Uwe Schnackenwinkel erklärt Ortsbeiratsmitgliedern aus Beilstein und Rodenroth
die Renovierungsarbeiten in der Kirche.
Auf der anderen Seite konnten sich die Ortsbeiratsmitglieder ein Bild davon machen, wie viel seit ihrer letzten Besichtigung schon getan wurde. All die großen eichenen Schwellbalken und die gesamten Holzkonstruktionen, die das riesige Kirchendach auf den meterdicken Außenmauern des Kirchenschiffs hielten, waren verfault und mussten ersetzt werden. Dabei wurde jeder einzelne Balken und Sparren durch einen Holzsachverständigen geprüft und dann alle morschen Teile abgeschnitten. Nach der nötigen statischen Berechnung wurden die neuen Teile eingebaut und mit der Konstruktion sicher verbunden. Jeder einzelne Balken erforderte genau angepasste Teile aus mindestens zehn Jahre gelagerter Spessarteiche. Allein schon die Beschaffung solcher bis zu 40 x 50 cm starker und bis zu 3 m langer Balken verlangte von den Fachleuten viel. Der Einbau der Teile und die sichere Verbindung der Gesamtkonstruktion, die wieder einige hundert Jahre halten soll, ist ein Meisterstück der Zimmermannskunst, das nur wirkliche Spezialisten fertig bringen.
Auch die Renovierung der Decken und der teilweise vom Hausschwamm befallenen Wände mit Lehmziegeln und Stroh-Lehm-Putz muss von Fachleuten erledigt werden. Dieses Material muss nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes verwendet werden, sondern auch, weil es wesentlich elastischer ist als der übliche Zementmörtel und Putz und so nicht abfällt, wenn die Holzteile arbeiten und im Laufe der Zeit noch deutlich schrumpfen. Allerdings braucht der Lehmputz auch wesentlich länger zum Trocken, ehe er gestrichen werden kann. Gleichzeitig wird die gesamte elektrische Installation der Kirche erneuert, die nicht mehr dem heutigen Stand der Technik und der Sicherheit entspricht.

links: Abgefaulte (vorn) und schon erneuerte (hinten) Deckenbalken über dem Kirchenschiff.
rechts: So werden alte und neue Balkenteile zu einer tragfähigen Einheit verbunden
Für die Ortsbeiratsmitglieder gab es eine Menge an interessanten technischen Informationen und gleichzeitig konnten sie sehen, wie viel Arbeit eine solche Renovierung bedeutet und wie viel noch zu tun bleibt. Jetzt hoffen alle, besonders natürlich der Kirchenvorstand, dass nicht noch mehr unangenehme Überraschungen und unerwartete Kosten auf sie zukommen und die Kirche Ende November wirklich fertig ist und wieder von der Gemeinde genutzt werden kann. Natürlich hofft die Kirchengemeinde auch, dass trotz der Verzögerung und wegen der höheren Kosten noch viele Spender zur Bewältigung der enormen Lasten beitragen.
Dr. Klaus Schmidt
Bericht vom 30. Juni 2006
Greifenstein Beilstein (drs) Die gute Nachricht zuerst: Die Renovierung des Beilsteiner Kirchendaches ist bisher sowohl im zeitlichen als auch finanziellen Rahmen geblieben. Am Freitagmittag stand dann der große Autokran der Firma Daum bereit um die neuen Schwellbalken, auf denen das ganze Dach ruht, in ihre Position zu bringen. Die alten Schwellbalken und Auflagen waren teilweise total verfault, der Hausschwamm steckte im Gemäuer und das Dach war schlecht. Deshalb waren ausgiebige Vorarbeiten erforderlich. Nachdem auf dem ganzen Dach, Schiefer und Bretter, abgetragen waren, wurde der Dachstuhl zuerst mit Folie abgedeckt, die den Regen der letzten Wochen auch hervorragend abhielt. Darunter waren dann die nächsten Arbeiten fällig, die zwar äußerst wichtig, aber wenig spektakulär waren. Zunächst musste der Hausschwamm vernichtet werden, was wegen der Dicke der Balken und er Wände nicht mit Mikrowellen und Hitze sondern durch den Austausch des Verputzes und den Einsatz von chemischen Mittel erfolgte. Dann wurde das ganze Tragwerk mit dem Dachstuhl angehoben, so dass jetzt das gesamte Gewicht auf den großen Eichensäulen im Kirchenschiff ruht. Die morschen Balken und Auflagen wurden entfernt. Auf die meterdicke Außenwand hat dann die Baufirma Koob aus Beilstein einen Spezialputz aufgebracht, der als Sperrschicht gegen den Hausschwamm wirkt und verhindert, dass auch die neuen Balken angegriffen werden. Im oberen Bereich wurde der Dachstuhl hergerichtet, d.h. Sparren, Windaussteifung und eine 3,6 cm dicke Dachschalung mit neuer Unterspannbahn wurden aufgebracht. darauf wird später das originalgetreue Naturschieferdach gedeckt.
Am Freitag war dann der große Augenblick. Die Zimmerleute der Firma Wölfel aus Eltville konnten die über 3 Meter langen und 40 auf 60 cm dicken Balken aus mindestens zehn Jahre abgelagerter Spessarteiche an Ort und Stelle bringen. Jeder Balken, den der Autokran mit seinem langen Ausleger auf die Kirche hob, wiegt um die vierhundert Kilo. Die neuen Balkenteile werden jetzt mit den noch vorhandenen Deckenbalken und dem Dachstuhl verbunden und bilden die neue Auflage für das Dach und die Decke des Kirchenschiffs auf der Mauerkrone. Diesmal wird auch darauf geachtet, dass die Balken und Holzteile frei liegen und gut hinterlüftet sind, damit nicht wieder Fäulnis und Schwamm ihr zerstörerisches Werk verrichten können. Später werden die Balken wie die Wände und Decke der Empore ganz traditionell mit Strohmatten und Lehmputz verkleidet, weil nur dieser Werkstoff genügend atmungsaktiv und elastisch ist, dass die Balken im Lauf der Zeit trocknen und dadurch auch schrumpfen können. Wenn das Werk im Herbst abgeschlossen ist, sollte die historische Beilsteiner Schlosskirche wie seit Jahrhunderten wieder Wind und Wetter trotzen können.
An Stelle der alten und teilweise verfaulten Balken werden neue Schwellbalken gesetzt, die in Zukunft das Dach der Beilsteiner Schlosskirche tragen.
Bis zu 400 Kilo wiegen die Eichenbalken die Autokran in schwindelnde auf die Kirche hebt.
Es ist Maßarbeit für den Kranführer und ein Kraftakt für die Zimmerleute, die schweren Balken genau an die richtige Stelle zu bringen.
Dr. Klaus Schmidt
Bericht vom 15.05.2006
Die Innenarbeiten haben angefangen. Es traten größere Schäden zu Tage, als wir vorher erwarten konnten. Es sich herausstellte, dass in der Giebelwand mindestens eineinhalb Kubikmeter loses Mauerwerk erneuert werden müssen. Weil sich auch der Hausschwamm viel weiter als erwartet ausgebreitet hat, werden entlang der Nordseite drei Deckenfelder statt der geplanten zwei Felder ausgetauscht. Dabei ist viel Handarbeit erforderlich, weil alle Ornamente einzeln abgenommen und gesichert werden müssen. Die Sperre gegen die Ausbreitung des Schwammes ist inzwischen eingebracht, so dass er sich nicht weiter in der Wand ausbreiten kann.
Der Austausch der Balkenköpfe am hintersten Hauptbalken an der Orgel hat begonnen.
Ergänzung: Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten, die Ausbreitung des Hausschwammes zu verhindern: mit Hitze oder Chemikalien. Bei relativ dünnen Wänden hat man gute Erfahrungen gemacht mit dem Erhitzen auf über 65°, damit der Schwamm abstirbt. So werden Chemikalien benutzt zum Abtöten des Hausschwamms. Dabei werden die Mauerfugen getränkt und auf die Mauerkrone ein Sperrmittel aufgebacht, damit die neuen Balkenteile von eventuell noch vorhandenem Schwamm nicht neu befallen werden können.
Auch die Balkenköpfe müssen weiter abgeschnitten werden als ursprünglich gedacht. Zum Teil haben sie die Last der Decke gar nicht mehr tragen können. Wir sind dankbar, dass wir schon im Herbst 2004 die Sicherungsständer und Eisenverstrebungen auf dem Dachboden haben einziehen lassen, und dass die Sicherungsständer auf den Holzsäulen im Kirchenschiff stehen! Diese haben offensichtlich auch bereits vorher die ganze Last des Daches getragen.